T008
Mittelalterschwerter , Schaukampfschwerter, Einhänder, Mittelalter Schwerter, Bidenhänder, Wikingerschwerter, in verschiedenen Ausführungen

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Schaukampf!

Was wir alle wollen:

Das ultimative Schwert, lang wie ein Drachenschwanz, leicht wie eine Feder, unzerstörbar mit aller Götter Segen und das ganze zu einem Sonderpreis von NUHHR drei Muscheln!
Sorry, die Dinger sind seit der Bronzezeit ausverkauft.
Heute haben wir allerorts Hightech-Materialien, die in der Regel so ziemlich jedem Schwert des Mittelaters überlgen sind.
Robin Hood gesehen? "Hmm, dieser spanische Stahl ist besser als unserer"
Tja, so spielt das Leben, und "er" war sicher froh, das "ER" keinen Löffel genommen hat. Aber der hätte es auch getan.
Doch nun genug der schwülstigen Worte.

Was ist das Problem?
Eine Schlagkante soll das Schwert haben, ca. 2,5 bis 3mm dick, hübsch soll es aussehen, also nicht nur ein Brett.
Ja, und schon sind wir in der Mitte bei 6 mm Dicke.
Das ganze muß natürlich auch noch, mit Griff, ca. 120 cm lang sein und 6 cm breit. Und es soll geschmiedet, also auch hoch verdichtet sein und gehärtet, damit es keine Scharten bekommt aber auch nicht zu doll, damit es sicher nicht bricht.

    Klingenquerschnitt    
    Breite über alles 6 cm ( 6o mm)    
  Höhe in der Mitte 6 mm Höhe an der Schlagkante, 2,5 mm  
  Halbes Schwert Breite 30 mm Höhe a=2,5mm, Höhe c=6 mm    
         

Last uns einmal rechnen,
Fläche eines Trapezes: (a+c) x h/2
Ergo 2,5 +6 =8,5mm. 0,85 x 3 = 2,55, das ganze mal 2 = 5,1 qcm
das nun mal die Länge von 120 = 612 qqcm,
Bei nicht so dichtem Eisen haben wir ein Gewicht von ca. 8 g /qqcm, Also 612 x 8 g = 4996 g.
Wahrscheinlich noch etwa 20 % mehr, da ja verdichteter Kohlenstoffstahl. Also 5875 g.
Hinzu kommen jetzt der Griff, Holz, sagen wir 250 g plus Knauf,
damit es einigermaßen ausgewogen ist 500 g und die Parierstange,
hier wollen wir mal etwas sparen, ca. 400 g, Summasumarum kommt unser Schwert nun auf ein Gewicht von rund 7 kg.
Nun wird der geneigte Leser sagen: "Ja! aber die Hohlkehle, und an der Spitze wird das Schwert ja dünner, und ja auch spitz!" OK, nehmen wir die HÄLFTE! Ergo bleibe mindestens noch 3,5 Kg über. Natürlich ist die Klinge dann auch nur bis ca. 1/3 von der Parierstange mit einer Schlagkante von 2,5mm versehen! Dann wird es ja spätestens dünner!
Naja, immer zu, die Fitnescenter warten auf all jene, die etwas dafür tun wollen, das sie das Schwert auch mal rund 20 Minuten lange führen und nicht nur tranzportieren wollen.
Wie sieht es mit dem geehrtem Leser aus? Interesse?
Man möge uns den Schabernack verzeihen, doch wo soll es hinführen?

Wir alle wollen ein gutes Schwert, natürlich! Wer nicht, ein jeder von uns auch.
Doch Kampftauglich und Schaukampf?
Es vergeht schon seit Jahren keine Saison mehr, ohne das man davon hört, der eine hätte dort einen Finger gelassen, der andere Ein Ohr, Ihm hat sich ein Schwert trotz Kettenhemd durch die Leber gebohrt, Jener sieht nur noch auf einem Auge und der da ist nach einem Schädelbruch seiner Muttersprache nicht mehr mächtig.
Spaß haben, JA! Leib und Leben riskieren ohne Not?
Fragen wir einmal professionelle Kaskadeure, was die unter Schaukampf verstehen.
Kämpfen um geschaut zu werden. Absprache und Training, Fittness, harte Arbeit, und Waffen aus einer Magnesium-Titan-Allu-Legierung. Für fast jeden Auftritt eine neue! Rüstung, so dick und schwer die Polster unter der leichten Edelstahl- oder Alu-Rüstung das selbst eine 30-30 Winchester ihre Schwierigkeiten hätte.

Was hat zwischen 1000 und 1200 ein Schwert gekostet? Nicht das Ultimative Schwert, nein, ein gängiges, eines für fast Jedermann? In heutigem Wert rund 35.000 bis 55.000 DM!
Ohne Scheide! Authentisch soll es sein, na toll, wir machen den Umsatz gerne, doch glaubt man manchmal, sowiele Hochedle Ritter und Könige, wie es sie heute gibt, hat es in 700 Jahren Mittelalter zusammen nicht gegeben!

Nun, mit den meisten handgeschmiedeten Schwertern, die nicht geschliffen oder angephast sind, kann man schon einen leichten Schaukampf treiben. Man sollte nicht wie wild zuschlagen und um der Familie willen, weil es Ihre Tränen sein werden, nicht mit jemandem Kämpfen, den man nicht kennt und mit dem man nicht trainiert hat.
JEDE KLINGE kann brechen. Was nützt einem die Garantie auf den Bruch der Klinge? Mann bekommt eine neue. TOLL! Man kann sich dann die Bilder vom neuen Schwert bestenfalls in die Strafvollzugsanstalt senden lassen, wenn man nicht selber zu Schaden gekommen ist. Wenns nicht so arg gekommen ist, dann kann man es, wenn die Ärtze mitspielen, vielleicht mit ins Krankenhausbett nehmen, schlimmsten Fall spart die Familie einen Grabstein und läst das Schwert gravieren.
Gründlich üben und Hiebe und Parade absprechen. Eine gute Schule für den Schaukampf sind Sportarten wie Escrima, Arnis und JaiDo.
Soviel Krafttraining machen, das einem das Schwert auch nach zwanzig Minuten und einem entglittenem Hieb des Gegeners nicht aus der Hand fällt.
Fast jedes Schwert heutiger Fertigung ist, was Material und Verarbeitung angeht, dem durchschnitt aus dem Mittelalter ebenbürtig oder überlegen. Gute Schwerter aus der Zeit um 1000 waren meist nur 3-4 mm dick, an der Stärksten Stelle!
Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Aber was hat einem heute wie damals ein Schwert genützt, wo das Publikum nicht sagt, " man, der kann aber gut mit dem Schwert umgehen" sondern " Ups, was das Schwert so alles mit einem Mann anstellen kann ?" " Heda! schneller, sonst holst du dein Schwert nicht ein!" oder " wo um alles in der Welt will das Schwert mit dem Manne hin?"
Also, habt Euren Spaß, wählt sorgsam, spart NIE an Rüstung und versucht niemals Euren Gegner nieder zu prügeln., als gelte es einen Baum zu fällen. Was Ihr da triebt, ohne Not mit der Klinge in der Hand zu kämpfen, hat sicher seinen Reiz, doch auch mit der besten Waffe seine Risiken!

Ergebenst
Wir, wir alle, von Melbars Tröpfelhandel

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